Voll historisch!
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Werben nennt sich selbst die wohl kleinste Hansestadt der Welt. Das klingt nach Postkarte, stimmt aber auch. Werben ist klein, schön, eigenwillig und historisch schwer! Rund um die riesige St. Johanniskirche, die alten Bürgerhäuser und eingerahmt von den Resten der Stadtbefestigung zeigt sich ein Stadtkern, der über Jahrhunderte gewachsen ist und nach der Wende beinahe verloren gegangen wäre. Viele Häuser standen leer, manches verfiel.
Seit einigen Jahren kommt wieder Bewegung in den Ort: durch engagierte Bewohner:innen, Zugezogene, starke Vereine und eine lebendige Stadtgesellschaft. Auch die Komturei blüht wieder auf.
Schon die Johanniter lebten und arbeiteten hier gemeinschaftlich – unter Bedingungen, die mit heutigen Vorstellungen von Gemeinschaft wenig zu tun haben und die trotzdem eine Spur legen. Wir knüpfen daran nicht nostalgisch an. Aber wir wissen, auf welchem Boden wir stehen. Und wir haben Lust, diesem historischen Hof einen neuen, zeitgemäßen gemeinschaftlichen Impuls zu geben: offen, zugänglich und mit Respekt vor dem, was vor uns war.
Im Jahr 1160 gründete Markgraf Albrecht der Bär in Werben eine Niederlassung des Johanniterordens. Sie wurde zur ersten und für lange Zeit wichtigsten Niederlassung des Ordens im östlichen Norddeutschland. Die Johanniter waren ursprünglich aus einer Hospitalgemeinschaft in Jerusalem hervorgegangen, die kranke und bedürftige Pilger versorgte. Später entwickelte sich daraus ein einflussreicher Ritterorden mit Landbesitz, adeligen Strukturen und militärischer Macht. Die Geschichte des Ortes ist also nicht nur fromm und fürsorglich, sondern von Beginn an auch politisch und widersprüchlich.
In Werben entstand ein Ensemble aus Konventshaus und Wirtschaftsgebäuden, gruppiert um einen Hof, die Komturei. Am nordwestlichen Rand des Geländes steht bis heute, seit dem 13. Jahrhundert das sogenannte Romanische Haus. Es gilt als eines der ältesten erhaltenen Profangebäude Norddeutschlands. Das außergewöhnliche Zeugnis dieser frühen Baugeschichte gehört der Hansestadt Werben und wurde 2025 denkmalgerecht saniert.
Nach der Reformation wurde aus der Kommende später eine preußische Domäne. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden auf historischen Fundamenten stattliche Backstein- und Wirtschaftsgebäude, wie sie für diese Zeit typisch sind. Sie ordneten sich der Johanniskirche unter und bildeten zugleich einen eigenen Hof: groß, robust und landwirtschaftlich geprägt.
Während der DDR war die Komturei Teil der örtlichen LPG, der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft. Viele Menschen aus Werben und der Umgebung verbinden bis heute Erinnerungen mit diesem Ort: Arbeit, Maschinen, Feste und das Kollektiv. Auch diese Zeit gehört dazu. Die Komturei war lange kein Denkmal im heutigen Sinn, sondern ein Nutzort.
Nach der Wende wurde das Gelände nur noch teilweise und eher informell genutzt. Es gab schöne Momente, wilde Partys, Public Viewings und spontane Aneignungen. Gleichzeitig nagten Wetter, Leerstand und fehlende Pflege an den denkmalgeschützten Gebäuden. Was früher ein wichtiger räumlicher Anker im Zentrum Werbens war, drohte Stück für Stück zu verschwinden. Mehrere Versuche, die Komturei neu zu beleben, verliefen im Sande. Vermutlich schauen deshalb viele Menschen in Werben heute sehr genau hin. Kritisch, interessiert und oft mit gedrückten Daumen.
Für uns ist die Sanierung der Komturei mehr als die Rettung alter Mauern. Sie ist die Chance, einen geschichtsträchtigen Hof, der immer wieder von Gemeinschaften geprägt wurde, in die Gegenwart zu holen. Nicht als Museum. Nicht als Kulisse. Sondern als lebendigen Ort für Wohnen, Arbeiten, Urlauben und Zusammenleben. Gemeinschaft kann dieser Ort. Jetzt eben anders.
Komturei Werben
Die Komturei Werben ist ein ökologisches Modellprojekt im UNESCO-Biosphärenreservat Mittelelbe. Auf dem historischen Johannitergelände entstehen durch die behutsame Sanierung denkmalgeschützter Gebäude neue Orte für Wohnen, Arbeiten, Gastlichkeit und Gemeinschaft. Das Projekt versteht sich als Reallabor für nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum.
Kontakt
Bei Interesse, Fragen oder Anregungen freuen wir uns über eure Nachricht.
Gerne informieren wir euch über den aktuellen Projektstand und senden auf Anfrage weitere Informationen oder Projektbroschüren zu. Für verschiedene Nutzungen führen wir zudem unverbindliche Interessenten-Listen. Wir freuen uns, wenn ihr Kontakt zu uns aufnehmt.
Mail: mail(at)komturei.info
Post: AFEA Kirchplatz 6, 39615 Werben (Elbe)
Telefon: +49 1792010579
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